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Statement: Über die Pflicht zu berichten #HouseOnFire

Der südamerikanische Regenwald ist ein einzigartiges Refugium für rund 2/3 aller Tier- und Pflanzenarten, die auf diesem Planeten leben.
Er ist das Zuhause zahlreicher Stämme und indigener Völker; der Produzent von rund 20% des weltweiten Sauerstoff-Vorkommens und damit die grüne Lunge unserer Erde.
Kurzum: Der Regenwald ist ein einzigartiges, schützenswertes, für unser Überleben notwendiges Ökosystem – und er brennt. Seit August entzünden sich Brandherde im brasilianischen und bolivianischen Wald immer wieder, sodass schon mehr als 900 000 Quadratkilometer den Feuern zum Opfer gefallen sind.
Ohne Schwierigkeiten könnten wir hier dutzende weitere Fakten aufzählen, die die bange Situation des Tropenwalds illustrieren. Wir könnten vom Sojafutter-Anbau, von der Erdgasförderung und den Palmöl-Monokulturen sprechen und davon, dass mehr als ein Drittel des Exports in Europa landet.
Wir könnten sehr leicht verdeutlichen, dass Europa Mitschuld trägt am katastrophalen Zustand dieses Biotops.
Doch das ist nicht (nur) unsere Aufgabe – sondern die der Presse.

Ein ökologisches Desaster wie die Brände und die Rodung des Waldes sollten nicht von der Agenda unserer Nachrichtendienste weichen, und sie sollten schon gar nicht in den Hintergrund treten gegenüber der Sitzplatzreservierung einer Jugendlichen auf ihrer Zugreise in Deutschland.
Eine solche Berichterstattung ist weder proportional zur Relevanz, noch zur Dringlichkeit der betreffenden Ereignisse. Nur weil der Regenwald schon seit August brennt und die Sensation schwinden mag, nur weil der Aufruf nach kritischem Konsum nicht in die Weihnachtstimmung passt, nur weil es unbequem ist, Deutschlands Haltung zum Mercosur-Abkommen anzuzweifeln, bedeutet dies alles nicht, dass unsere Wälder weniger brennen und das CO2 die Klimakrise nicht befeuert.

Der Journalismus hat auch die Pflicht, das Gras zu mähen, das über etwas zu wachsen droht.

Alfred Polgar

Wenn Sie sich als Journalist*in zu unrecht der Untätigkeit, Kritiklosigkeit oder der Ignoranz beschuldigt fühlen, dann ist dies Ihre Chance, zu beweisen, dass Sie Ihren journalistischen Auftrag ernst nehmen.
Wir verlangen nicht nach Berichterstattung über unseren Protest, sondern über das, was wirklich relevant ist:
Die Zerstörung unserer Lunge und was dagegen getan werden muss.

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