Sehr geehrte Damen und Herren von Fridays for Future,

vielen Dank für Ihren Brief Mail vom 10. Januar. Wir sehen es wie Sie: Wir alle gemeinsam müssen unsere Anstrengungen zur Vermeidung von CO2-Emissionen deutlich intensivieren. Wir haben dies in den vergangenen Jahren auf vielfältige Art und Weise auch schon getan – übrigens ohne auf „ein Zeichen von oben zu warten“: Wir haben in PV-Dächer, Windkraftanlagen, KWK-Anlagen, Nahwärmenetze, E-Mobilität und smarte Energienetze einige Millionen Euro investiert und sind als eines von zwei Stadtwerken in Baden-Württemberg EMAS-zertifiziert. Insofern kämpfen wir schon seit Jahren auch um die von Ihnen zitierten „kleinen Tropfen“.

Gerade weil wir uns als ökologisch orientiertes Stadtwerk sehr für erneuerbare und effiziente Energieerzeugung einsetzen, würden wir die Wasserkraftanlage in Überlingen sehr gerne erhalten. Die Entscheidung, die marode Anlage stillzulegen, ist uns, das können Sie uns glauben, schwergefallen.

Wir haben daher verschiedene Möglichkeiten zum Erhalt geprüft. Allerdings gibt es für die Schließung und Sicherung der Anlage schwerwiegende Gründe auf vielen verschiedenen Ebenen. Diese haben wir in einer ausführlichen Bürgerinformation zu dem Thema zusammengefasst, die ich Ihnen gerne beilege. Es wäre schön, wenn Sie sich die Zeit nähmen, diese Information zu lesen.

Insbesondere angesichts der Gefahren, aber auch der rechtlichen Unsicherheiten ist ein weiterer Betrieb der Anlage, auch als Pumpspeicherwerk, aus unserer Sicht nicht möglich. Die unmittelbaren rechtlichen, zum Teil strafrechtlichen Risiken, die die Anlage birgt, sind viel zu groß.

Auch wirtschaftlich wäre eine Wiederinbetriebnahme oder ein Umbau zum Pumpspeicher ein hohes Risiko. Der Erhalt des Wasserkraftwerks würde rund 2,8 Mio Euro an Investition erfordern – bei auch langfristig zusätzlichen operativen Verlusten. Für einen Pumpspeicher wäre der Invest noch höher, weil die Anlage und die Druckrohrleitung nicht für einen reversiblen Betrieb ausgelegt war und ist.

Würden wir diese Summe – wie in den vergangenen Jahren geschehen – in eine andere regenerative Erzeugung investieren, erreichten wir damit eine siebenfach höhere CO2-Einsparung. Diesen Weg – Investition in PV, Windkraft und KWK – sind wir in der Vergangenheit gegangen, werden dies weiter tun – und hier sind Investitionen aus unserer Sicht sinnvoller eingesetzt als in ein Kraftwerk, das mit fast 100 Jahren seine technische Lebensdauer schon länger überschritten hat und das nun aufwändig und kostspielig saniert werden müsste.

Das Kraftwerk hat zuletzt noch 344.000 kWh jährlich produziert (das ist übrigens Strom für nur rund 200 Haushalte). Selbst bei einer angenommenen Effizienzerhöhung und bei einer Ausweitung des Betrachtungszeitraums (und alle anderen Argumente ausgeklammert): Mit der kleinen Wasserkraftanlage ist ein wirtschaftlicher Betrieb auch als Pumpspeicher nach allem, was wir heute wissen und vorausschauen können, nicht möglich.

Übrigens spielt auch der Naturschutz, unter dem der Andelshofer Weiher steht, eine gewichtige Rolle: Der Weiher ist für Flora und Fauna extrem wichtig (FFH-Gebiet).  Der Naturschutz steht einer kommerziellen Nutzung grundsätzlich entgegen, insbesondere wenn die Nutzung ein Pumpspeicher wäre. Wir verweisen dazu auf die Proteste der Naturschutzverbände im Schwarzwald oder auch bei den großen Pumpspeicherkraftwerken in Vorarlberg oder in den Alpen. Der Andelshofer Weiher, mit dem viele Überlinger aufgewachsen sind, bleibt übrigens als Weiher und Biotop selbstverständlich erhalten.

Sehr geehrte Damen und Herren, auch wir hoffen auf „positive Schlagzeilen“ zum Klimaschutz. Wir sind aber sicher, dass wir diese eher mit Bemühungen und Investitionen in erneuerbare und dezentrale Energieerzeugung erreichen sollten als mit der aufwändigen Sanierung eines maroden, ineffizienten Kraftwerks.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen die Hintergründe unserer Entscheidung näher beleuchten. Wenn Sie unsere Bürgerinformation lesen, finden Sie dort eine komplette Übersicht über die vielschichtigen Argumente.

Wenn Sie dazu noch Fragen haben, schreiben Sie mir einfach. Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die Woche.

Schöne Grüße

Sebastian Dix
Leiter Unternehmenskommunikation

STADTWERK AM SEE GmbH & Co. KG