Es überschlagen sich die Ereignisse. Nachdem die Verhandlungen zum Pumpspeicher in Überlingen Ende Dezember 2019 gescheitert sind, wird jetzt mit der Verfüllung der Druckleitung zwischen Turbinenhaus und Andelshofer-Weier begonnen. Seit letzter Woche laufen die Vorbereitungen und am Dienstag soll die endgültige Verfüllung beginnen. Zu erneuten Verhandlungen und einem Aufschub der Versiegelung, wie in unserem offenen Brief vom 10. Januar gefordert, kam es leider nicht.

Da mit der Verfüllung die Fakten geschaffen werden, trotz laufender Petition beim Landtag, bleibt nur noch in die Zukunft zu schauen. Zuvor aber noch ein paar Worte zum bisherigen Geschehen:

Wir können nachvollziehen, dass die Stadtwerke Sicherheitsbedenken bezüglich der 100 Jahre alten Anlage haben. Wir finden es aber äußerst fragwürdig, dass diese Sicherheitsbedenken nicht anhand einer Risikoanalyse vorliegen und auch nicht der Bürgerenergie Überlingen in angemessener Form mitgeteilt werden konnten. Dies hat der Diskussion mit Sicherheit nicht gutgetan, vor allem, da vonseiten der Bürgerenergie eine Experteneinschätzung von Prof. E. Göde vorliegt, welcher argumentiert, die Druckleitungen seien in „einwandfreiem Zustand“ (1) und es würde sich lohnen, diese zu erhalten.
Für uns ist nicht nachvollziehbar, warum auf der einen Seite eine Experteneinschätzung stehen kann und auf der anderen Seite keine vollumfängliche Risikoanalyse vorgelegt wurde und dennoch mit einer den Denkmalschutz aushebenden Gefahrensituation argumentiert wird.

Sehe frustrierend für alle Involvierten wäre, wenn die Leitungen nun versiegelt werden und damit die Diskussion rund um erneuerbare Energien für Überlingen wieder von der öffentlichen Agenda verschwindet. Damit dieser Fall nicht eintritt, möchten wir hier mit Nachdruck eine Forderung präsentieren:

Wir fordern die SWSee auf, die 1276 Unterschriften, die vergangenen Diskussionen so wie das Engagement der Bürger*innen nicht zu ignorieren, sondern dies mit dem nötigen Zeichen für die Energiewende zu würdigen. Wir fordern von den Stadtwerken am See, die 2,8 Millionen Euro Umbaukosten, welche laut eigener Aussage der Erhalt des Kraftwerks verursacht hätte, bis Ende 2021 in regionale erneuerbare Energiegewinnung zu investieren.
Erst wenn die Stadtwerke tatsächlich gewillt sind, diese Summe einzusetzen um damit „siebenmal mehr CO2“ (2) einzusparen als mit dem Bau des Pumpspeichers, sind wir davon überzeugr, dass die SWSee ihre Klimaziele mit Ernsthaftigkeit verfolgen und ihnen darum die Schließung des Kraftwerks so schwer gefallen ist, wie sie in der Diskussion oft erklärt haben.
Außerdem ist diese Investition ein längst notwendiger Schritt in der Energiebilanz der Stadtwerke – und ein Beitrag zum von FFF geforderten Ziel, Überlingen bis 2035 zur Klimaneutralität zu verhelfen. Diese Investition ist unabdingbar, um den Beitrag Überlingens zum Erreichen der Pariser Klimaziele zu stärken und um das Nachhaltigkeitsversprechen der Stadtwerke glaubwürdig umzusetzen.

Zitate

1: „Zustand der Druckleitung“ von Prof. E. Göde | S.2, Fazit https://www.buergerenergie-ueberlingen.de/media/files/2020-01-09-Porf.-G%C3%B6de-Zustand-Druckleitung.pdf

2: Antwort der Stadtwerke auf den offenen Brief von Fridays for Future Überlingen https://klima-streik.de/2020/01/antwort-der-stadtwerke-am-see-auf-unseren-offenen-brief-vom-10-1-2020/