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FFF Bodensee zu Besuch bei den Stadtwerken

ÖPNV, Strom, Wärme, Wasser – beim Stadtwerk am See führen viele Stränge zusammen, an denen gezogen werden muss, um den Klimawandel auch am Bodensee zu bewältigen. Wie das funktioniert, wo die Schwierigkeiten stecken und was der Andelshofener Weiher bei alldem für eine Rolle spielt, war am Dienstag Thema unseres Gesprächs mit dem Energieversorger.

Eine weite Wasserfläche, eine kleine Insel, umgeben von breiten Straßen und von alten Bäumen gesäumt – das ist der “Andelshofer Weiher”, ein unscheinbares Stück Natur. Das Wasserkraftwerk im Mantelhafen, mit dem er über lange Leitungen verbunden ist, hat während der letzten Monate jedoch für heftige Kontroversen gesorgt. Wer sich noch einmal einlesen möchte, sollte sich unseren Offenen Brief und die Antwort des Stadtwerks ansehen, denn am Dienstag bot sich uns die Chance, persönlich mit Herr Bürkle und Herr Dix über das Wasserkraftwerk zu sprechen. Auch Herr Woble, Leiter der Energiesysteme und Frau Sterzai waren zugegen.

Unsere Enttäuschung ist nicht gewichen: Die Chance, eine lokale, erneuerbare Energiequelle in Überlingen zu nutzen, wurde verspielt. Doch damit tun sich eine neue Möglichkeiten auf, erklärt Herr Bürkle, denn das Geld für den Erhalt des Kraftwerks könnte durch die Investition in andere Projekte rund das Siebenfache an CO2 einsparen. Eine Auflistung der Solar- und Windparks, in die die Stadtwerke momentan investieren, und eine Darstellung der entsprechenden Ausgaben stimmt auch uns nachdenklich.

Mit Grafiken macht Herr Woble den Vergleich der Ertragsleistung anderer Energieformen mit dem des Wasserkraftwerks deutlich, und schon bald weicht die Debatte über den Weiher zukunftsorientierten Fragen: Wie schnell geht der Ausbau regenerativer Energien eigentlich voran? Was tun die Stadtwerke dafür, und an welchen Stellen der Maschinerie steckt noch Sand im Getriebe?
Immer wieder kehrt das Gespräch darauf zurück, dass das Unternehmen nur Weichen folgen kann, die von der Politik gestellt wurden. Von der Kommunalpolitik über Stuttgart bis hin zu Berlin stoßen Energielieferanten immer wieder auf rechtliche Hürden und fehlende finanzielle Zuschüsse, die beim Stadtwerk erst neulich den geplanten Bau eines Windparks im Keim erstickt haben. Eine weitere Hürde sind Bürgerinitiativen, die aus verschiedenen Gründen den Bau von Windrädern in ihrer Gegend verhindern möchten.

Foto von Karsten Würth

Allgemein ist die Rolle, die die Bürger*innen selbst beim Ausbau von erneuernbaren Energien spielen, nicht zu vernachlässigen. Schlussendlich sind es unsere Häuser, auf denen die Photovoltaik-Anlagen landen; und bisher wird dafür vor allem unser Eigenengagement benötigt.

Das bedeutet natürlich nicht, dass das Stadtwerk nicht auch seinen Teil beitragen sollte. Mit seiner unternehmerischen, aber auch verwalterischen Funktion bei zahlreichen Netzwerken wie ÖPNV und Energie hat das Stadtwerk die große Verantwortung, die Energiewende und den Klimaschutz mitzutragen. Dazu gehört – und nicht zu spät – die Umstellung des eigenen Unternehmens auf und die Belieferung von Kunden mit 100% erneuerbaren Energien.

Unsere Argumente und die der Stadtwerke am See haben sich in dem Gespräch oft überschnitten. Allen schien bewusst, dass es höchste Zeit war, zu handeln. In der Abschlussrunde fragten wir daher, was es bräuchte, damit die Stadtwerke mehr von ihren Vorsätzen umsetzten konnten. Ihre Antwort: Die entsprechenden Konzepte sind da. Es gibt viele Studien, Ideen und Modelle, die darauf warten, umgesetzt zu werden. Als wirtschaftliches Unternehmen mit begrenztem Budget, können die Stadtwerke nicht der Initiator sein. Deshalb wünschen sie sich, dass vor allem die jeweiligen Städte sie mehr in die Planungen miteinbeziehen und besser kommunizieren.

Wir haben uns gefreut, dass ein Gespräch auf Augenhöhe stattfand und dass es Bereitschaft für weitere Zusammenarbeit gab. Auch wurde uns, wie bei so vielen Gesprächen, erneut bewusst, warum es so wichtig ist, weiterhin auf die Staße zu gehen.
Die politischen Rahmenbedingungen für einen ökologischen Wandel sind fehlen, unser Aufschrei nach Handlung prallt weiterhin an zu vielen Stellen ab, obwohl es längst keine Zweifel mehr gibt:

Die Zeit drängt.

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