Keine 8 Jahre mehr reicht uns das CO2 Budget, um die Erderwärmung auf 1.5 Grad zu begrenzen (1) und damit den zerstörerischen Klimakipppunkten vorzubeugen. Machen wir so weiter wie bisher, haben wir in kurzer Zeit die letzten Handlungsmöglichkeiten für uns Menschen verspielt. Der Sprung von der Klippe ist dann mit großer Wahrscheinlichkeit unabwendbar. Es mag noch nicht allen bewusst sein, aber die dadurch ausgelösten Klimafolgen werden unsere Zivilisation bis auf ihre Grundfesten erschüttern. Die heutigen Katastrophen, wie die Brände in Australien oder die Größe der aktuellen Flüchtlingsströme sind nur Vorboten desse, was passieren kann und wird, wenn wir Menschen weiterhin so leichtfertig mit unseren Lebensgrundlagen und denen der kommenden Generationen umgehen.

Leider sind dies keine wilden Übertreibungen und Hysterien, sondern es ist der Boden der Tatsachen – auch wenn dies schwer zu glauben ist. Jegliche der genannten Fakten können Sie selbst überprüfen. Eine verlässliche Quelle ist beispielsweise das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) (2). Ein Interview mit einem der führenden Vertreter des PIK, Stefan Rahmstorf, können Sie hier ansehen:

Die Politik hat reagiert – oder?

Nicht alle Nachrichten zur Klimakrise sind negativ behaftet. Im Jahr 2015 haben die meisten Staaten dieser Erde das „Pariser Abkommen“ (3) unterzeichnet und sich damit verpflichtet, die Erderwärmung auf möglichst 1.5 Grad zu begrenzen. Es gibt also internationale Verpflichtungen – das Problem ist nur, dass diese Verpflichtungen in all Ihrem Umfang größtenteils ignoriert werden. Auch wenn z.B. die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihren außenpolitischen Reden die Situation anders darstellt, ist Deutschland langfristig keinesfalls auf dem richtigen Weg. Wir haben ein bleibendes Treibhausgasbudget, und dieses ist sehr begrenzt und nicht unerschöpflich. Deutschland, so wie jedes andere Land dieser Welt, muss früher oder später auf „Netto-Null Emissionen“ (4) kommen. Je früher, desto besser. Daher ist es auch unsinnig, sich mit dem Nicht-handeln anderer Staaten herauszureden. Netto-Null Emissionen sind alternativlos!

Netto-Null? Wie funktioniert das?

Damit ein Staat die Emissionsziele einhalten kann, muss auch jedes Glied dieses Staates mitspielen. Deutschland ist nur klimaneutral, wenn jede einzelne Stadt, jedes einzelne Dorf und am Ende jeder Mensch diese Maßnahmen umsetzt. Daher ist es essentiell, dass Klimakrisenmanagement auch in der Kommunalpolitik ankommt und dass jede Stadt die Transformation zur Klimaneutralität vorantreibt, auch wenn von der Bundesebene noch nicht der nötige Druck kommt. Es ist außerdem klar, dass Klimakrisenmanagement nur funktionieren kann, wenn die Öffentlichkeit aufgeklärt ist und am selben Strang zieht. Diese Aufklärungsarbeit ist neben dem Schaffen der richtigen Rahmenbedingungen eine der zentralen Aufgaben der Politik.
In den letzten Wochen gab es hierzu ein paar Ereignisse in Friedrichshafen:

Klimakrisenmanagement für Friedrichshafen

Um dieses Anliegen in Friedrichshafen in die Tat umzusetzen, haben wir eine Chance ergriffen und Mitte Januar 2020 einen kooperativen Workshop mit dem Büro des Oberbürgermeisters veranstaltet.

Zusammen mit der Verwaltungsabteilung Landschaftsplanung und Umwelt, dem Jugendparlament Friedrichshafen und Vertreter*innen unserer Fridays for Future Bewegung diskutierten wir über mögliche Klimaschutzmaßnahmen für Friedrichshafen.

In den darauf folgenden Wochen haben wir aus den Ideen und Vorschlägen vier Leitturmprojekte entwickelt:

  • Leuchtturmprojekt 1: Solar auf allen Dächern in Friedrichshafen!
  • Leuchtturmprojekt 2: Klimabildung und Öffentlichkeitsarbeit
  • Leuchtturmprojekt 3: Wärmewende
  • Leuchtturmprojekt 4: Mobilitätsmanagement
Dokument zu den Leuchtturmprojekten vom Jugendparlament Friedrichshafen und Fridays for Future Friedrichshafen.

Wir möchten, dass diese Projekte im neuen Klimabudget des DHH 20/21 berücksichtigt werden. Nun gilt es, unsere Forderungen im neuen Masterplan “Klimastadt Friedrichshafen” zu verankern, und dafür benötigen wir Ihre Unterstützung!

Der Prozess wird wie folgt ablaufen: Die Gemeinderatsfraktionen können noch bis zum 13. Februar 2020 Anträge stellen für Projekte, die mit dem Klimabudget finanziert werden sollen. Anschließend wird über diese beraten und schlussendlich abgestimmt. Nun geht es erst einmal darum, dass die Initiativen in den Leuchtturmprojekten auch als Anträge gestellt werden. Hierzu haben wir die Leuchtturmprojekte an alle Gemeinderät*innen geschickt mit der Bitte, diese in Anträgen zu formulieren und bis zum 13. Februar einzubringen.

Gleichzeitig arbeitet das Jugendparlament ebenfalls Anträge aus, um diese einzubringen.

Ein bisschen Realismus

21 Millionen Euro stehen im Klimabudget bis 2024 noch unbeansprucht. Das ist ohne Zweifel eine große Summe – aber die Stadt Friedrichshafen ist auch sehr groß, hat viel Fläche, viel Industrie und einen weiten Weg zur Klimaneutralität. Wenn man diese Zahl mit der Finanzierung anderer Projekte der Stadt vergleicht, verblasst der anfängliche Glitzereffekt. Wenn wir ebenfalls an die Dimensionen denken, welche für einen Umbau zur Klimaneutralität notwendig sind, sind 21 Millionen Euro auf einmal nicht besonders viel; sondern sie sind vielmehr als Schritt in die richtige Richtung anzusehen. Wir sollten nun aber nicht den Fehler machen und wegen ungenügender Finanzbereitschaft die großen notwendigen Projekte wieder in der Schublade verschwinden lassen!

Was jetzt?

Wir tun alle unser Bestes, um den Schritt, den die Stadt Friedrichshafen mit dem Klimabudget gemacht hat, zu nutzen, um den Transformationsprozess für Friedrichshafen endlich anzustoßen. Natürlich hat unser Fridays for Future – Orgateam nur begrenzte Möglichkeiten, daher freuen wir uns über jeglichen Support!

Unterstützen Sie uns und bringen Sie sich ein!

  • Schreiben Sie einer Fraktion und bitten Sie diese, die Vorschläge umzusetzen
  • Kontaktieren Sie Ihnen bekannte Gemeinderät*innen
  • Sprechen Sie die Stadt auf ihr Klimakrisenmanagement an!
  • Diskutieren Sie mit ihren Freund*innen und Bekannten über das Thema und entwerfen Sie evtl. sogar eigene Ideen!

Falls Sie Fragen haben, zögern Sie nicht uns zu kontaktieren. Wir erklären und erörtern gerne im Detail unsere Leuchtturmprojekte.

Das Wichtigste ist, dass jetzt konkret gehandelt wird. Wir haben nicht die Zeit, weiter zu zögern und immer wieder die Ziele, die wir bereits in weite Ferne gerückt haben, schon jetzt scheitern zu lassen. Es ist längst Zeit zu handeln, es ist unsere einzige Chance!

1: https://www.mcc-berlin.net/forschung/co2-budget.html
2: https://www.pik-potsdam.de/pik-startseite
3: https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cbereinkommen_von_Paris
4: https://www.myclimate.org/de/informieren/faq/faq-detail/detail/News/was-bedeutet-netto-null-emissionen/

Ergebnisse vom Klimaworkshop mit Jupa, FFF und Verwaltungsabteilung Landschaftsplanung und Umwelt | Januar 2020
Dokument zu den Leuchtturmprojekten vom Jugendparlament Friedrichshafen und Fridays for Future Friedrichshafen.